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Augsburger Allgemeine, 11.09.2001

Melodissimo serviert spritzigen Musik-Cocktail

Melodissimo serviert spritzigen Musik-Cocktail

Kurzweilige Operetten-Melodien im Zedernsaal

Drei überdimensional große, weiße Rosen vor den Notenständern, vier weiße Stühle und zwei Tische in geschnörkelter Bauform bedeckt mit roten Samtkissen, sechs gefüllte Sektgläser und eine große, rote Rose. Dazu das fürstlich-edle Ambiente des Kirchheimer Zedernsaals: Alles war bereitet für den "Operetten-Cocktail" des Ensembles Melodissimo, der "alkoholfrei und sehr bekömmlich" die zahlreichen Gäste nicht nur musikalisch begeisterte. Denn auch optisch war etwas geboten. Die beiden Sopranistinnen, Michaela Gumpp und Elisabeth Wörmann, standen in weitgehüllten, weißen Blumenkleidern auf der Bühne. Daneben Robert Sellier, Tenor, und Werner Rollenmüller, Bass, im Smoking. Das Konzert begann im drei-viertel-Takt mit einem instrumental dargebrachten Wienerlied von Stolz. Danach trat das Quartett zum ersten Mal in Erscheinung und sang "himmelhoch jauchzend" sein "Lied nur für dich." Der erste Teil des Abends stand im Zeichen diverser Naturmotive. So verkündete Werner Rollenmüller stimmgewaltig "das Blühen der letzten Rosen auf der Heide" aus dem Film "Herbstmanöver." Michaela Gumpp und Robert Sellier sangen im Duett über die Bedeutung einer verschenkten Rose in Tirol aus Zellers "Vogelhändler". Und Elisabeth Wörmann brachte den "strahlenden Mond" aus Künnekes "Vetter aus Dingsda" im Zedernsaal eindrucksvoll zum Aufgehen. Dazwischen beeindruckte Margot Obeser trillernd-fröhlich an der Piccolo-Flöte bei der rasend-schnellen Imitation der "Waldnachtigall". Opernfeeling begleitete das Publikum in die Pause, als das Ensemble die "Kirchheimer Version" der Schlussszene des ersten Aktes aus der "Fledermaus" intonierte. Glanzleistung an der Violine Einen rasanten Einstieg in die zweite Hälfte des Konzerts gaben die beiden Sängerinnen mit dem Czardas "Von der Pusta will ich träumen" aus dem ufa-Film "Der Blaufuchs", wobei sie mit Mimik und Gestik ihre Gesangsintentionen gekonnt unterstrichen. Erwähnenswert auch die Glanzleistung von Bernhard Büsch an der Violine, der für das Temperament und Feuer in Melodie und Rhythmus sorgte. Sein Einfühlvermögen bewies Büsch dann beim Solo "Alter Refrain". Michala Gumpp stellte bei ihrem Solo "Klänge des Heimat" aus Strauß´ Fledermaus ihre Stimmfestigkeit und -exaktheit auch bei schnellerem Tempo unter Beweis. In einem glaubhaften Liebesduett aus "Paganini" beteuerte Tenor Sellier , dass niemand Elisabeth Wörmann so liebt wie er. Unterstützt von den wohlgesetzten Akzentuierungen des Kontrabasses (Lothar Uth) gingen Michaela Gumpp und Werner Rollenmüller mit der bekannten Walzermelodie "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein" noch einen Schritt weiter. Instrumental wurde den Gästen eine Ode an "die schönste Stadt der Welt: Paris" zu Gehör gebracht, bei der Ralf Peters seine Fingerfertigkeit am Akkordeon demonstrierte. Tenor Robert Selliers betrat umgezogen im edlen weißen Frack die Bühne und das Maxim aus der "lustigen Witwe" von Franz Lehár. Ralf Peters übernahm spontan die Moderation für den erkrankten Kabarettisten Christoph Paninka und meisterte diese Aufgabe mit jeder Menge Charme und Witz. Mit Musik geht alles leichter - "und schneller," fügte Peters hinzu. Und er hatte Recht. Der kurzweilige "Cocktail" hatte allen geschmeckt. Doch ein kleiner Tropfen war noch drin: Das Quartett gab temperamentvoll den "Feuerstrom der Reben" aus "der Fledermaus" zum Besten. Als Zugaben konnte man die bekannten und gern gehörten Melodien "Die Juliska aus Budapest" und "Adieu, mein holder Gardeoffizier" hören. "Adieu" hieß es dann auch für das Publikum, das den Saal begeistert verließ. Jochen Schuster